Bike Fitting

by Alina

Wer kennt es nicht, kleine Wehwehchen beim Radfahren. Das Knie schmerzt, die Hände oder Füße schlafen ein, die Achillessehne etc.. Ich habe tolle Neuigkeiten für dich: Das meiste sind Dinge, die man durch ein gutes Bike-Fitting im Nu beheben kann. Das soll jetzt nicht heißen, dass ein Bike Fitting all deine Probleme löst. Die unzureichende Muskulatur im Oberkörper kann dadurch nämlich leider nicht behoben werden* räusper*. Das wäre auch zu schön und für mich durchaus wünschenswert, da ich viel zu regelmäßig die 10 Minuten Planks lieber durch 3 Stunden Radfahren ersetze. Glaub mir, das lässt sich nicht verbergen. Dafür hat der/die Bike-Fitter*in aber eine Lösung für ein anderes Problem: den schmerzenden Po und/oder Soft Tissue Bereiche wie Vulva, Damm etc. Die Satteldruckmessung gehört zum Radfahren nämlich dazu wie das Stück Kuchen und der Kaffee. Auf dem Rad gut zu sitzen, macht nämlich definitiv schneller und noch viel wichtiger, um einiges mehr Spaß.


Meine bisherige Bike Position

Nun bin ich seit 5 Monaten auf meinem geliebten Cannondale Super Six Evo unterwegs. Die Einstellungen habe ich alle intuitiv gemacht und mich teilweise an den Werten von meinem alten Canyon Ultimate orientiert. Hin und wieder habe ich noch einige Veränderungen durchgeführt und bin durch Probleme mit meiner Achillessehne immer weiter runter gerutscht. Für mich und meine SuSi (SUperSIx Evo) wurde es Zeit, unsere Partnerschaft auf das nächste Level zu heben. Das Bike Fitting würde unsere Partnerschaft noch mehr vertiefen.

Wenn du noch nicht weißt, wie du dir dein Bike generell einstellst, kannst du dich an folgender Formel orientieren:
Innenbeinlänge (bei mir 79,8 cm) x 0,885 = optimale Sitzhöhe.
Das passt allerdings nicht immer zu 100 %. Ich bin eine absolut durchschnittliche Person. Wirklich. Ich weiche lediglich wenige Millimeter von der Norm ab. Wenn das bei dir nicht der Fall ist, spielen deine Proportionen (Position des Hüftknochens, Beinlänge,…) eine sehr wichtige Rolle, um deine individuelle Position zu finden. Denn das ist die Sitzposition in der Regel: individuell.


Ich saß also auf 67 cm Sattelhöhe, um meine Sehne zu schonen. Mittlerweile ist sie gut abgeheilt und falls ich das leichte Ziehen mal wieder spüre, trage ich eine Bandage, die wirklich gut hilft.
Den Sattel habe ich mir nach Empfinden eingestellt. Zumeist ist das möglich durch das unterschiedlich feste Anziehen der Schrauben, was die Sattelneigung einstellt. Wenn mir auf einer Fahrt etwas an den Druckpunkten gestört hat, haben die leichten Änderungen das bei mir immer geregelt. Bis zur perfekten Druckverteilung ist es aber ein langer Weg, herauszufinden, was eigentlich weh tat, war nicht immer so einfach für mich.
Hier habe ich ein bisschen was zum Thema “Sattelschmerzen” zusammengefasst.



Zurück zu meinem Bike Fitting im Radlabor in Freiburg. 
Tatsächlich war ich sogar ein bisschen aufgeregt. Schließlich würde ich nun erfahren, ob meine Intuition mich getäuscht hatte. Wirkliche Probleme habe ich bis auf die Achillessehne nicht. Durch die (zu tiefe) Sitzposition meldete sich aber nach 150 km mein Knie. Einen Tod muss ich sterben, dachte ich.


Das Ausmessen

Zunächst wurde mein Bike mit einem Laser vermessen, um die Ausgangsposition zu bestimmen. Danach war ich dann dran. Adrian aus dem Radlabor markierte die Position meiner Hüftknochen, meiner Ellenbogen, meiner Handgelenke und bestimmt meinen Kniewinkel auf dem Rad. Meine Innenbeinlänge hatte ich mithilfe eines Buches und eines Zollstocks (nennt mich einen Profi😝) schon recht genau bestimmen können. Die liegt in meinem Fall bei 69,8 cm.


Auch wichtig ist die Position der Cleats. Der falsche Winkel kann auch hier zu Schmerzen führen. Zu meiner Freude sind die bei mir schon perfekt eingestellt. Die Position habe ich wegen meiner Sehne ganz nach hinten verschoben, da das etwas schonender ist. Eine leichte Versetzung der Cleats hinter das Großzehengrundgelenk kann die Belastung auf die Achillessehne / Wade bei gleichzeitig guter Kraftübertragung reduzieren.


Weiter gehts mit der dynamischen Fahranalyse, um die errechneten Idealwerte zu überprüfen. Während mein Rad neu eingestellt wird, bekomme ich einen Kaffee aus der Rocketespresso. Schickes Teil!

Meine Werte

Jetzt wurde es ernst, hier sind also meine Werte im Vergleich zu der idealen Position: Einige Einstellungen habe ich erst kürzlich verändert, um den Knieschmerz zu mindern, der aber hauptsächlich mit der Sitzhöhe zusammenhing. Hätte ich aber besser gelassen, da ich die Sitzposition dadurch verschlechtert habe. Aber dafür bin ich ja hier, Adrian regelt das.


Meine Position wurde angepasst. Aus der berechneten optimalen Position wurde zusammen mit der dynamischen Analyse die optimale Position des Sattels bestimmt. Das Ziel: optimale Kraftübertragung bei gleichzeitig reduzierter Belastung auf die Achillessehne.


Der Sattel und der “Centre of Pressure”

Worauf ich besonders gespannt war, war die Bestimmung des Centre of Pressure beim Sattel. Das gibt Auskunft darüber, ob der Sattel der richtige ist und ob man ihn ggf. anders einstellen muss. Meine Vermutung: Links am Sitzknochen ist etwas mehr Druck. An sich würde ich sagen, dass ich ganz gut sitze. Aber vielleicht gibt es hier ja doch noch Luft nach oben. Nach 200 km merke ich meinen Hintern nämlich schon sehr deutlich. Spoiler alert: Das ist fast normal.


Tatsächlich sitze ich schon ziemlich perfekt. Alles, was blau ist, ist gut. Der Sattel ist der richtige für mich und der Druck ist genau da, wo er sein soll. In der Tat habe ich links etwas mehr Druck, was durch die leichte Differenz meiner Beinlängen zu Stande kommt. Aber alles noch im Rahmen. WOW, meine Intuition hat mich auch hier nicht im Stich gelassen.

Was allerdings auffällig ist, ist, dass meine Hüfte munter hin und her wackelt beim Pedalieren. Hier wären wir also wieder bei der Stabi. Nun habe ich es rot auf Weiß, dass ich daran arbeiten muss. Die rote Linie zeigt den Kraftangriffspunkt, der leicht schwankt und nicht ganz horizontal ist, aber absolut im Rahmen. Allerdings ist die Linie sehr lang, was auf viel Bewegung in der Hüfte hinweist. Die tanzt dank meines quasi nicht vorhandenen Oberkörper-Trainings Cha-Cha-Cha. Vielleicht tut deshalb der Hintern trotz guten Einstellungen etwas weh. Damit kann Adrian mir ausnahmsweise mal nicht helfen.


Wie geht es weiter? Ich teste die Position und berichte. Ggf. verändern wir noch weitere Kleinigkeiten. Ein Bike Fitting ist immer auch ein Prozess.
Damit ich die Werte an jedem Bike einstellen kann, habe ich sie in meine Cannondale App eingetragen. So kann ich sie auf jedes Bike übertragen und ich habe sie immer mit dabei.

Macht ein Bike-Fitting für jeden Sinn?

Die Antwort ist ganz eindeutig: JA JA JA und nochmals ja. Du musst kein Profi sein, um schmerzfrei auf dem Rad sitzen zu wollen. Sowohl präventiv, als auch um bereits bestehende Schmerzen zu lindern. Denn so können wir uns auf die Schmerzen konzentrieren, die wir wollen: Nämlich die in der Beinmuskulatur.

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